Bericht der Feier in der Türkei

Zunächst muss ich erstmal etwas weiter ausholen, damit die Story auch komplett ist. Also, am Montag, den 02.08.04 kamen wir nach einer schön entspannenden und auf den Urlaub einstimmenden Fährüberfahrt von Brindisi (Italien) nach Cesme spätabends in Bursa bei meiner Schwiegerfamilie an, wo wir herzlich begrüsst wurden. Wir wohnten im neuen Ferienhaus meiner Schwägerin am Marmarameer, mit tollem Meerwasserpool und genug Platz für alle aus Deutschland anreisenden Gäste. Das Wetter war auch perfekt: Sonne und immer zwischen 30 und 35°C.

Wir hatten natürlich noch einiges zu erledigen die 1 1/2 Wochen vor der Feier. Erstmal mussten wir zur Location und die Details besprechen. Dann musste sich Ahmet um die Blumen kuemmern, und zu guter Letzt brauchte ich noch Schmuck und Handschuhe und zudem noch einen Friseur, der mir die Haare macht und Make-up, und zwar so, wie ich das will. Wir sollten also beschäftigt sein.

Zur Location: Wir sind hin, die haben uns Bilder gezeigt, wie sie die Tische um die Pools stellen wollen, wie die Dekoration sein wird (haben uns dann für apricot entschieden, es gab noch alles in Gold, zu übertrieben, und blau, sah nicht schön aus). Da war ich erstmal nur froh, denn die Bilder sahen sehr vielversprechend aus, sehr sehr edel und das alles ohne Aufpreis. Die gesamte Location war für den Abend auch nur für unsere Feier reserviert - auch ohne Aufpreis. Dann kam aber die erste Überraschung: in unserer Location war es üblich, eine Papphochzeitstorte reinzufahren, die wirklich toll aussieht, keine Frage, aber eben nicht echt ist. Diese hat an der Seite ein Stück echte Torte eingearbeitet, welches wir rausschneiden sollten, uns gegenseitig mit einem Stueck füttern, dann wird die Atrappe wieder rausgefahren und jeder Gast bekommt nach und nach ein Stueck Kuchen auf dem Teller serviert. Ich hatte mir zwar nicht vorgestellt, dass ich unbedingt eine Torte brauchte, aber so? Naja, wir hatten ja noch Zeit.

Ahmet hatte dann die Tage seine Riesenfreude, Blumen aufzutreiben. Es ist ja schon irgendwie witzig: in Dänemark konnte er sich mit der Floristin nicht verständigen, und der Strauss war trotzdem perfekt, jetzt war er in seinem Heimatland und musste kämpfen. Warum? Etwas, das wir einfach nicht wussten und womit wir nicht gerechnet hatten. In der Türkei ist es üblich, dass der Brautstrauß relativ einfach und aus Kunstblumen ist. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Kein Florist hatte Ahnung, wie man einen Strauß Wasserfall- oder Tropfenförmig bindet, schon gar nicht mit echten Blumen. Ich blieb stur, genauso wie Ahmet - ich wollte echte Blumen. Muss zwar etwas doof rüber gekommen sein, von wegen die Deutsche braucht mal wieder ihre Extrawurst, aber das war mir in dem Moment auch wirklich sowas von egal. Ich weiss nicht, wieviel der Strauss jetzt gekostet hat, aber es wird nicht wenig gewesen sein. Ahmet hat dem Floristen gesagt, er soll sich Kataloge von Fleurop zukommen lassen und dann darüber die frischen Blumen bestellen. Fleurop in der Türkei. Auch ein Novum. Nun ja, letztendlich hatte ich einen Strauß aus echten Blumen, der zwar nicht unbedingt in den Farben war, die ich mir gewünscht hatte (ich wollte ja rot und weiss), aber ich wusste immerhin, dass Ahmet alles in seiner Macht stehende getan hatte, damit ich nicht mit Plastik in der Hand rumlaufen musste.

Zu mir: ich hatte etwas Schwierigkeiten, Schmuck zu finden, da die Türkei ein Goldland ist und Silber nicht so wahnsinnig weit verbreitet. Ohne Frage, der Goldschmuck ist wunderschön und auch deutlich günstiger als in Deutschland, aber das hätte mein Budget trotzdem gesprengt. Letztlich hab ich mir meine Ohrringe und die Kette auf diversen Strassenbasars für wenig Geld zusammengekauft. In Istanbul am Basar wollte ich die Handschuhe kaufen. Mein Vorstellung war: bis zum Ellbogen, mit Raffungen, an jeder Raffung ein Strassstein. Gab's aber nicht - genausowenig wie in meinem Brautmodengeschäft in Deutschland, wo ich mein Kleid her hatte. Das Praktische war, die Dame in dem Laden meinte, sie nähen mir die Handschuhe dann so, wie ich will. Für 25 Millionen TL, das sind knapp unter € 15. Die Idee fand ich gut - es war aber ein Akt, die gute Frau soweit zu bekommen, dass die Handschuhe nicht mit Strass übersäht würden. Es ist ja schon schwierig, in der Türkei genau das zu bekommen, was man will, wenn man die Sprache spricht - siehe Ahmet und die Blumen - aber mit Übersetzen usw... naja, irgendwann hatte sie wohl aufgegeben, wir haben uns auf drei Raffungen geeinigt, jede mit einem Strassstein gehalten. Nach 20 min konnten wir die Handschuhe fertig abholen - und was soll ich sagen, wenigstens die sind genauso geworden, wie sie sein sollten, und sie haben super zum Kleid gepasst.

Wegen Frisur und Make-up: ich wollte ja eigentlich eine Probefrisur machen, aber alle meinte, das wäre nicht notwendig, schließlich sind sie Profis darin und sie können das Foto der Probefrisur, die mir meine Friseuse hier in Deutschland gemacht hat, als Vorlage nehmen, aber eigentlich wollen sie's ja noch viel schöner machen. Wir waren bei zwei Friseurteams, sind dann bei einem geblieben, das wirklich auf Hochzeiten spezialisiert ist - und sie sind ja Meister in Hochsteckfrisuren. Ich hab mir eigentlich gleich gedacht, dass ich nicht genau das kriege, was ich will - meine Stammfriseuse hier hatte mir eine ganz tolle, schlichte Frisur gesteckt, die ich eigentlich nur übernommen haben wollte. Aber egal. Man braucht ja keine Probefrisur. Da hat es mich wirklich sehr genervt, dass alle in der Türkei alles besser wissen als man selbst.

Nun gut, es kam der Vorabend der Feier, wir hatten uns mittlerweile entschieden, das mit der Torte in Gottes Namen so zu machen, wie eben bei dieser Location üblich, Ahmet hat mir immer und immer wieder gesagt, ich soll mich einfach überraschen lassen, wie die Feier abläuft - er war in der Zwischenzeit noch einige Male bei der Location gewesen - und ich hatte Geburtstag und wir sind alle zusammen, es waren ja auch schon alle aus Deutschland da inklusive meiner Familie, essen gegangen. Und was passiert? Wir sitzten draussen, und es fängt an zu regnen. Eine Woche lang Traumwetter. Und nun Regen. Wurde immer stärker, es fing sogar an zu gewittern. Wir hatten noch einen schönen Abend, aber trotzdem, ich hatte Angst um die Feier am nächsten Tag, die ja draußen am Pool geplant war. Natürlich hätten wir auch in den Saal gehen können, der auch schön ist, aber mit dem Pool hätte der eindeutig nicht mithalten können. Zu allem Überfluss sagte der Wetterbericht für den 11.08. wechselhaftes Wetter voraus... Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Ahmet hat geschnarcht, und ich konnte sowieso nicht schlafen, weil es die ganze Nacht durch immer wieder geschüttet hat.

Am Morgen war ich mit den Nerven total am Ende: müde, weil ich nicht geschlafen hatte (vielleicht 2 Stunden wenn's hinkommt), sauer, weil die ganze Woche tolles Wetter war und ausgerechnet an diesem Tag morgens die Terasse überschwemmt war, Ahmet war verschwunden und niemand wusste wohin... am liebsten hätte ich alles abgesagt und wäre ins Bett gegangen, ich war so gefrustet. Aber dafür war ich nicht gekommen und ich musste da jetzt durch. Ahmet kam schliesslich auch an, ich war stinksauer, dabei stellte sich nur raus, dass er sich den botanischen Garten angesehen hatte - da wollten wir eigentlich die Fotos machen, aber das ging jetzt nicht, da alles dort matschig war. Also umdenken - wir machen die Fotos am/im Ferienhaus am Meer, weil wir da im Notfall reingehen hätten können, wenn es geregnet hätte. Mit den Fotos war ja mein Vater beauftragt worden. Ich hatte noch überlegt, ob Fotograf ja oder nein, aber erstens kann mein Vater sehr gut fotografieren und hat auch die passende Kamera dafuer, und zweitens machen Fotografen in der Türkei ausschliesslich Studioaufnahmen mit digital eingefügten kitschigen Hintergrundbildern, und das wollte ich nicht. Also sind wir davon abgekommen.

Jedenfalls ging's dann um 12 h zum Friseur. Als erstes Make-up. Ich habe mir gedacht, ich kann's ja mal ausprobieren, im Notfall lass ich's mir wieder runtermachen und mach's dann daheim selbst. Hatte aber mein Make-up dabei, von dem ich wusste, es passt zu meiner Hautfarbe (schwer zu finden bei mir) und deckt auch super, und meinen Lipfinity hatte ich auch dabei - was anderes hätte ich mir nicht auf die Lippen machen lassen. Und was soll ich sagen, das Make-up ist super geworden. Im ersten Moment dachte ich, es sei viel zu stark, aber auf den Fotos sieht man, dass weniger zu wenig gewesen wäre. Von daher Daumen hoch. Dann die Frisur. Ich hatte meine Probefrisur von allen Blickwinkeln abgelichtet und die Fotos mitgebracht. Die hat der Friseur auch alle aufgestellt und auch erst versucht, das so zu machen. Ist ihm aber wohl doch zu schlicht gewesen. Ich habe noch meine Schwägerin übersetzen lassen, was meine Friseuse zu mir gesagt hat, was wichtig wäre bei der Frisur, aber das konnte ich mal schnell vergessen. Nein, so machen die das da nicht, und ich krieg schon eine schöne Frisur. Naja, ich hab's dann halt einfach mal geschehen lassen, viel anderes blieb mir ja nicht übrig. Die Frisur war schon schön geworden, aber ganz anders als meine schöne Probefrisur, und das Diadem saß auch sehr weit hinten und konnte nicht weiter vor, weil es sonst vorne alles zusammengedrückt hätte. Im ersten Moment war ich echt gefrustet. Aber es war auch keine Zeit mehr, alles auf zu machen und neu anzufangen. Da musste ich wieder mal durch. Im Nachhinein haben eigentlich alle gesagt, dass die Frisur wohl doch besser war als die ursprünglich geplante, da sie nicht ganz so schlicht war. Es hat wohl toll ausgesehen, und das ist das Wichtigste, und damit bin ich dann auch wieder zufrieden. Im ersten Moment war's aber nicht so prickelnd.

Gut, nach dem Friseur ging es wieder zum Ferienhaus, wo mein Kleid und alles andere war (meine Eltern hatten es sicher ohne Knicke in ihrem Van in die Türkei gebracht). Ich hab dann zusammen mit meiner Freundin Sandra das Kleid angezogen, während sich Ahmet auch fertig machte. Als alles bereit war, war ich oben noch im Schlafzimmer und alle warteten unten im Wohnzimmer auf mich, allen voran natürlich Ahmet. Also schritt ich dann langsam die Treppe, die sich übrigens super dafür anbot, herunter. Es war wunderschön. Ahmet hat erstmal ein paar Tränen vergossen, als er mich so sah, und ich hatte daraufhin auch Mühe, mich zusammen zu reißen. Es ging dann also ans Fotos machen. Zum Glück hatte es in der Zwischenzeit aufgehört zu tröpfeln, das hatte es auf dem Rückweg von Friseur nämlich noch getan. Also gingen wir raus, steckten uns erstmal die Ringe an, weil die auf den Fotos natürlich dabei sein mussten. Zum Glück hat dann auch tatsächlich die Sonne geschienen, mein Vater hat einige Filme voll Fotos geschossen, auch schwarz/weiss, wir sind für ein paar Bilder auch noch direkt ans Meer gefahren, und dann war's auch schon Zeit. Wir mussten zur Location, die Feier war für 20 h angesetzt. Die Wetterentscheidung, ob drinnen oder draußen gefeiert würde, fiel um 18:30 h, und ich war so glücklich, dass es zu dem Zeitpunkt nicht mehr regnete und sogar die Sonne schien.

Wir kamen pünktlich an der Location an und wurden erstmal in einen Nebenraum gebracht. Dort mussten wir warten, bis alle Gäste da waren und an ihren Plätzen saßen, damit wir dann auch schön einziehen könnten. Das dauerte natürlich erstmal. Wir haben eine gute Stunde gewartet, und in der Zeit wäre ich wirklich fast eingeschlafen. Ahmet und ich haben schon gewitzelt, dass nachher alle Gäste bei uns vorbeikommen und sich für die schöne Feier bedanken, und wir bekommen nichts davon mit... Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht, um neun wurden wir abgeholt und ganz außen um die Location herumgeführt. Dann wurden wir im Schatten der Bar aufgestellt, vor uns zwei Fackelträger, dann in einigem Abstand wir, ich innen, Ahmet außen... und so liefen wir los. Alles war abgedunkelt, nur ein Scheinwerfer war direkt auf uns gerichtet und Musik lief, und so schritten wir langsam ganz außen um den Pool herum, um dann letztlich auf der Tanzfläche anzukommen. Mir wurde gesagt, meine Brüder hätten geweint. Es war wirklich wunderschön. Dann kam auch gleich der Eröffnungstanz, der gut hingehauen hat und auch wirklich wunderschön war. Es lief 'Whenever You Call' von Mariah Carey und Brian McKnight, und das Lied passte perfekt. Ahmet hat mir hinterher erzählt, dass er eigentlich 'Love How You Love Me' von Melanie Thornton wollte, da das sozusagen unser Lied ist, aber die CD war wohl nicht auffindbar. Ich bin ganz froh drum. So hat es noch viel besser gepasst.

Nach dem Tanz ging's zu den Gratulationen. Wir mussten jeden einzelnen begrüssen, und ich als Braut habe natürlich auch Goldmünzen und ein paar Geldscheine angehängt bekommen. Die ganze Zeremonie hat eine ganze Weile gedauert, und ich frage mich wirklich, wie die das bei türkischen Hochzeiten mit 400 oder 500 Gästen machen. Wir hatten über 90 Gäste und waren erstmal beschäftigt. Mein Bruder Christoph hat geheult, als ich ihn umarmt hab, das war so süß, da hätte ich auch fast meine Fassung verloren.

Als wir fertig waren, durften wir uns endlich mal hinsetzen (wir hatten einen extra Tisch in der Mitte fuer uns ganz alleine, das ist so üblich in der Türkei) und was essen. Es gab insgesamt vier Gänge plus die Torte. Angefangen hat's mit einem kalten Vorspeisenteller, danach kamen überbackene Pilze und eine Art Frühlingsrolle, danach das Hauptgericht, Lammbraten mit Beilagen, und zum Schluss ein Früchtebecher mit Vanilleeis. Natürlich kam nicht alles auf einmal. Es gab dazwischen immer Musik und Tanz, und es war richtig was los. Sogar meine Eltern haben getanzt, wo mein Vater das doch hasst - aber so war zumindest meine Mutter glücklich. Die Stimmung war super, alle waren gut drauf... es war wirklich eine schöne Feier. Allerdings hab ich noch auf die Ringe gewartet. Ahmet meinte schließlich, ich solle mich überraschen lassen, also hatten wir die Ringe auf der Fahrt zur Location wieder ausgezogen. Während dem Essen fragte ich ihn, was denn nun jetzt los sei damit. Er sagte, er hätte keine Ahnung und er würde mal seine Schwester fragen gehen. Die wusste auch von nichts. Also haben wir uns die Ringe heimlich still und leise am Tisch wieder angesteckt, als alle beschäftigt waren mit essen... tja, war dann wohl doch nichts mit Romantik beim Ringanstecken, aber ist jetzt auch egal, wir tragen sie jetzt halt, und dann haben wir noch was schönes für die Kirche irgendwann mal.

Wir haben also den Abend über getanzt, gegessen und mit unseren Gästen geredet. Dann kam schließlich die 'Torte', wir haben sie 'angeschnitten', uns gegenseitig gefüttert und dann haben die Gäste ihre Stücke bekommen - und der Witz ist, es hat wohl wirklich niemand was gemerkt. Nichtmal meine Eltern. Die dachten wohl auch, das wäre die echte Torte. Im übrigen hatte ich aus Versehen die Hand oben. Eigentlich wollten wir's so machen, dass niemand bzw. beide oben sind, aber es ging alles so schnell und irgendwie hatte ich dann die Hand oben. Naja, ist auch egal, ich denke, es gibt eh keine Beweisfotos.

Gegen 0:30 h, 1 h war dann die Feier vorbei. Die Leute mussten ja am nächsten Tag arbeiten, und es war meiner Meinung nach auch eine gute Zeit. Ich war eh hundemüde. Alle haben uns gesagt, dass es eine wunderschöne Feier war, dass der Einzug so toll war, und so empfinde ich das jetzt auch noch. Wir hatten unsere Feier. Und sie war sehr, sehr schön. Ich habe mich an dem Tag so wohl gefühlt in meinem Kleid, mit meinem Mann, alles war perfekt. Die Atmosphäre am Pool war unübertroffen. Und zum Glück hatte es der Wettergott gut mit uns gemeint. So mussten wir zwar bangen, aber es war nicht so heiß wie die Tage davor und danach und keiner musste schwitzen. Daher war ich dann aber auch echt froh um meine Stola. Ohne die hätte ich wohl doch gefröstelt. Im Nachhinein war es alles in allem einfach ein perfekter Tag, und das ist das Wichtigste.